Loreena McKennitt am 29. März 2012 in Münster

Im vergangenen Jahr veröffentlichte Loreena McKennitt das Album The Wind That Shakes The Barley, mit dem sie zu ihren Wurzeln, der Interpretation irischer und keltischer Klassiker, zurückkehrte. Jetzt folgte die dazu passende Tour unter dem Namen Celtic Footprints. Anders als bei den vergangenen Touren, wo auch viele Titel mit arabischem oder orientalischem Einfluss gespielt wurden, gab es auf dieser Tour nur “klassische” keltische Musik, auch von den älteren Alben.

Das Konzert in der Halle Münsterland begann eher ungewöhnlich. Während der ersten beiden Instrumentaltitel war zunächst nur die Begleitband auf der Bühne und jeder Musiker hatte dabei einen Solopart, und konnte sich so präsentieren. Loreena betrat die Bühne erst beim dritten Stück Bonny Portmore, bei dem sie sich an der keltischen Harfe begleitete. Danach wechselte sie dann zwischen Flügel, Harfe und Akkordeon.

Gleich vom ersten Ton an fiel der hervorragende Sound in der Halle auf. Die Halle Münsterland ist eigentlich nicht gerade die perfekte Konzerthalle, aber der Sound war wahnsinnig gut und hatte fast CD-Qualität. Das Verhältnis zwischen Gesang und Musik war nahezu perfekt und so kam Loreenas wunderbare Stimme auch perfekt zur Geltung. Zu dem hervorragenden Eindruck haben natürlich auch die tollen Begleitmusiker beigetragen. Neben bekannten Gesichtern, wie Brian Hughes, Hugh Marsh und Carolin Lavelle, die auch bei vergangenen Touren und bei einigen Alben-Aufnahmen dabei waren, waren dieses Mal auch ein paar neue Musiker dabei. Jeder von ihnen ein absoluter Könner.

Viele der gespielten Titel haben ihren Ursprung in keltischen (vor allem irischen) Traditionals oder sind Vertonungen von Gedichten u.a. von W. B. Yeates (Stolen Child), Alfred Noyes (The Highwayman) und Alfred Tennyson (The Lady of Shalott). Zu einigen Titel erzählte Loreena teilweise recht ausführlich etwas zum Ursprung der Musik und der Texte bzw. zu ihrer Motivation gerade dieses Stück zu interpretieren.

Die Lightshow - wenn man davon überhaupt sprechen kann - war sehr dezent aber meiner Meinung absolut passend zur Musik. Es wurden nur wenige Farbeffekte eingesetzt, die die Stimmung des jeweiligen Stücks unterstützten. Dazu gab es für jeden Musiker einen individuellen Scheinwerfer. So wurde jeder einzelne ins “rechte Licht” gesetzt.

In der Halle, die fast ausverkauft war, herrschte eine Stimmung wie bei einem klassischen Konzert. Während der einzelnen Titel folgten alle gebannt der Musik und man hätte manchmal eine Stecknadel fallen hören können. Der entsprechende Beifall nach jedem Stück kam aber nicht zu kurz und am Ende des Konzerts nach gut 2 Stunden gab es natürlich Standing Ovations.

Ein ganz besonderes “Schmankerl” hatte sich Loreena bis zum Ende aufgehoben. Schon während des Konzerts hatte sie von ihrem Deutschunterricht erzählt und kurz das Lied von der Lorelei angestimmt. Nach den regulären Zugaben betrat sie dann noch einmal allein die Bühne und sang noch einmal a capella Die Lorelei. Den Text musste sie zwar vom Blatt ablesen aber ihr Deutsch war wirklich gut. Nur am Ende der ersten Strophe verhaspelte sie sich etwas und es war ein “Oh Shit” zu hören. Mit einem Lachen brachte sie Stück dann aber mit Anstand zu Ende und das Publikum war entsprechend begeistert.

Ich habe in den letzten 25 Jahren zig Konzerte besuchte und war auch schon auf 4 Konzerten von Loreena McKennitt. Aber dieses Konzert hat wirklich alles bisherige übertroffen. Die Musik war einfach wunderschön, Loreenas Gesang grandios und Musiker hervorragend, der Sound perfekt und dazu noch die passende Stimmung. Das war Gänsehaut pur. Von mir aus hätte es noch Stunden so weiter gehen können.

Im Sommer kommt Loreena McKennitt noch einmal für einige Open Air-Konzerte nach Deutschland (u.a. nach Gelsenkirchen und Köln). Das Programm wird dann wieder etwas anders sein und auch einige der Titel mit orientalischem Einfluss enthalten.

Die Bandmitglieder sollen natürlich nicht unerwähnt bleiben:

  • Loreena McKennitt: Gesang, keltische Harfe, Flügel, Akkordeon
  • Roy Doors: Schlagzeug und Percussion
  • Ben Grossman: Drehleier (Hurdy Gurdy), Bodhran, Akkordeon, Percussion
  • Ian Harper: Dudelsack, Bombarde, türkische Klarinette, Flöten
  • Brian Hughes: Elektrische und akustische Gitarre, Oud, keltische Bouzouki, Gitarren Synthesizer
  • Caroline Lavelle: Cello, Backing Vocals
  • Hugh Marsh: Violine
  • Tony McManus: Akustische Gitarre, Keltische Bouzouki, Mandoline
  • Dudley Philllips: Akustischer und elektrischer Bass

Set List

1. Teil

  1. Spered Hollvedel
  2. Morrison’s Jig
  3. Bonny Portmore
  4. The Star of the County Down
  5. The Highwayman
  6. The Emigration Tunes
  7. As I Roved Out
  8. Down by the Sally Gardens
  9. The Bonny Swans

2. Teil

  1. The Wind That Shakes the Barley
  2. Raglan Road
  3. All Souls Night
  4. Santiago
  5. Stolen Child
  6. The Lady of Shalott
  7. The Mummers’ Dance
  8. The Old Ways

Zugaben

  1. Never-ending Road (Amhrán Duit)
  2. The Parting Glass
  3. Huron ‘Beltane’ Fire Dance
  4. Die Lorelei

In den Westfälischen Nachrichten gab es eine kurze Konzertkritik. Allerdings hat der Redakteur wohl nicht das ganze Konzert gesehen, denn Santiago war mitnichten das Schlussstück.

Eine weitere Kritik (in englisch) wurde auf der Website des Musikmagazins Reflections of Darkness veröffentlicht. Dort gibt es auch ein paar Konzertfotos zu sehen.