Loreena McKennitt am 24. Juli 2012 in Essen

Anfang des Jahres hätte ich nicht gedacht, dass ich innerhalb eines halben Jahres 2 mal zu Konzerten von Loreena McKennitt gehen würde. Aber nachdem sie beim Konzert in Münster die Sommertour mit einem anderen Programm ankündigte war es klar, das ich da unbedingt hin musste. Ursprünglich sollte das Konzert im Amphitheater in Gelsenkirchen stattfinden, aber es wurde schon recht schnell (aus “logistischen Gründen”) nach Essen in das Colosseum-Theater verlegt.

Ich denke, das war auch eine gute Entscheidung. Denn die Akustik ist in einer Halle i.d.R. doch besser als bei einem Open Air-Konzert und natürlich besteht auch keine Gefahr, nass zu werden.

Als wir das Theater betraten, durften wir es uns erst mal in einer langen Schlange anstellen, um unsere Karten, die ja für Gelsenkirchen waren, umzutauschen. Es dauerte bestimmt eine halbe Stunde bis wir endlich am Schalter ankamen, wo wir dann die neuen Karten bekamen. Dort lag schon ein Umschlag mit den neuen Tickets und kurioserweise bekamen wir trotz anderer Bestuhlung exakt die gleichen Plätze. Auf Grund der Umtauschaktion fing das Konzert mit einer halben Stunde Verspätung an.

Das Colosseum ist eine ehemalige Fabrikhalle, die vor einigen Jahren zum Musical-Theater umgebaut worden war. Unsere Plätze waren wirklich gut mit perfekter Sicht auf die Bühne. Ich bin nicht ganz sicher, ob das Konzert vollständig ausverkauft war, aber ich konnte keine freien Plätze entdecken.

Bevor das Konzert begann, gab es noch mal den Hinweis, dass das Photographieren während des Konzertes nicht erwünscht sei. Auch Loreena erneuert nach dem zweiten Titel diesen Hinweis noch einmal, kündigte aber an, das wir dann im zweiten Teil des Konzerts bei einem Titel (Santiago) dann photographieren dürften. Soweit ich es beurteilen konnte hielten sich erfreulicherweise auch alle daran. Ich kann nachvollziehen, dass sich manche Künstler von den permanenten Blitzlichtern gestört fühlen. Mich nerven nämlich auch mittlerweile gerade bei einem solchen Konzert die leuchtenden Bildschirme der Kameras und Handys.

Das Konzert begann mit The Mummers’ Dance und dann folgt ohne große Unterbrechung ein Stück nach dem anderem und wie üblich wechselte Loreena zwischen Akkordeon, Harfe, Flügel und Keyboards. Die Beleuchtung war wieder relativ schlicht. Nur ein paar Spots, die die Bandmitglieder immer wieder gezielt in Szene setzten. Es sollte ja auch die Musik im Mittelpunkt stehen und ich denke niemand hat an diesem Abend Lichteffekte o.ä. vermisst.

Die Besetzung Band aus wirklich erstklassigen Musikern war gegenüber Münster leicht verändert. Tony MacManus war nicht mehr dabei und Hugh Marsh, der bisher bei jedem Konzert, das ich besucht habe, dabei war, wurde ab dem Münchner Konzert durch Jon Pilatzke ersetzt. Er musste zwar ab und zu mal aufs Notenblatt schauen, aber er machte seine Sache alles in allem sehr gut.

Die Bandmitglieder im Einzelnen:

  • Loreena McKennitt: Gesang, keltische Harfe, Flügel, Akkordeon
  • Roy Doors: Schlagzeug und Percussion
  • Ben Grossman: Drehleier (Hurdy Gurdy), Bodhran, Akkordeon, Percussion
  • Ian Harper: Dudelsack, Bombarde, türkische Klarinette, Flöten
  • Brian Hughes: Elektrische und akustische Gitarre, Oud, keltische Bouzouki, Gitarren Synthesizer
  • Caroline Lavelle: Cello, Backing Vocals
  • Jon Pilatzke: Violine
  • Dudley Philllips: Akustischer und elektrischer Bass

Zur Musik braucht man eigentlich nicht viel sagen. Es war einfach nur schön. Ich habe mich zurückgelehnt und einfach nur genossen. Loreenas Gesang war wie immer einfach toll. Bei einigen Titeln wurde sie beim Refrain unterstützt von Caroline Lavelle und dieser zweistimmige Gesang, den man von den Studioalben nicht kennt, passte einfach hervorragend.

Die Akustik und der Sound waren gut. Allerdings hätten die akustischen Saiteninstrumente etwas lauter sein könnte. Ich saß ziemlich mittig, aber die Bouzouki oder Oud waren stellenweise nicht wirklich zu hören.

Eine kleine Panne leistete sich Loreena dann beim letzten Titel vor der Pause. Bei Caranvanserei hatte sie einen Hänger und brauchte drei Anläufe. Nachdem sie es das zweite Mal “versaut” hatte, war von ihr ein kräftiges “Oh Shit” zu hören und sie musste selber erst einmal lachen.

Die Songauswahl gefiel mir persönlich richtig gut. Bis auf The Highwayman waren alle meine Lieblingsstücke (insbesondere auch Dante’s Prayer als letzte Zugabe) dabei. Als das Konzert nach gut 130 min. reiner Spielzeit mit verdienten Standing Ovations endete, sah konnte man in viele selig lächelnde Gesichter sehen. Es war einfach ein toller Abend.

Set List

Teil 1

  1. The Mummers’ Dance
  2. The Star of the County Down
  3. Bonny Portmore
  4. Marco Polo
  5. Night Ride Across Caucasus
  6. Penelope’s Song
  7. As I Roved Out
  8. The Bonny Swans
  9. Caravanserai

Teil 2

  1. Full Circle
  2. The Mystic’s Dream
  3. Santiago
  4. The Dark Night of the Soul
  5. Beneath A Phrygian Sky
  6. The Lady of Shalott
  7. All Souls Night
  8. The Old Ways

Zugaben

  1. Huron ‘Beltane’ Fire Dance
  2. Dante’s Prayer

Eine Konzertkritik habe ich auf der Website der WAZ nicht gefunden, aber es gab wenigstens einen Vorbericht auf DerWesten.de.