Neue Social Network-Heimat gesucht

Vor ein paar Wochen hat Google das Ende seines Sozialen Netzwerks Google+ verkündet. Nachdem es in den letzten Jahren immer wieder Gerüchte um ein Ende von Google+ gegeben hat, kommt das Ende nicht ganz überraschend. Googles Begründung, den Dienst wegen einer Sicherheitslücke zu schließen ist allerdings ziemlich fadenscheinig.

Ich selbst war von Anfang an bei Google+ dabei und finde das Ende wirklich sehr schade. Zum Glück wird der Dienst nicht sofort geschlossen, sondern erst im August 2019. Damit bleibt also Zeit, eine neue Heimat zu suchen.

Ich habe mir in den letzten Tagen verschiedene Alternativen angesehen, die auch immer wieder auf Google+ genannt wurden.

Der eine oder andere mag in der Auflistung vielleicht Facebook vermissen. Wer mich aber genauer kennt weiß, dass Facebook für mich seit einiger Zeit ein absolutes “no go” ist. Damit stehe ich auch nicht alleine da. Ich habe noch von keinem Google+-Nutzer gehört, der zu Facebook wechseln wird.

Reddit

In eigen Kommentaren zum Ende von Google+ wurde Reddit als mögliche Alternative genannt. Reddit gibt es bereits seit 2005.

Ich würde Reddit allerdings nicht direkt als “Social Network” bezeichnen. Die ganze Struktur erinnert mich eher an das Usenet mit seinen “Newsgroups”. Bis vor kurzem hatte die Website ein ziemlich antiquiertes Aussehen. Aber seit kurzem kann man auf ein moderneres Design umschalten.

Ich habe zwar auch einen Account auf Reddit, aber eine Alternative zu Google+ ist es für mich dann doch nicht.

Diaspora und Friendica

Streng genommen ist Diaspora nicht die Bezeichnung eines sozialen Netzwerk sondern eine Software zum Aufbau eines verteilten sozialen Netzwerks. Es gibt hier also keinen zentralen Server sondern viele Server (sogenannte “Pods”), die miteinander kommunizieren.

Um Diaspora zu nutzen, meldet man sich an einem dieser Pods an. Es gibt mittlerweile sogar einen speziellen Pod für Google+-Flüchtlinge: pluspora, auf dem ich auch angemeldet bin (mherbst@pluspora.com).

Speziell für Google+-Umsteiger hat Ole Albers eine Anleitung für Diaspora geschrieben (Google+ macht dicht. Was nun?).

Friendica funktioniert ähnlich wie Diaspora und es gibt auch Verbindungen zwischen beiden Netzen.

MeWe

Ich muss zugeben, dass MeWe mir bis vor kurzem vollkommen unbekannt war. Aber nach einem Hinweis auf Google+ habe ich es mir einmal genauer angesehen.

MeWe bezeichnet sich selbst als “Next-Gen Social Networking”. Es ist beheimatet in Kalifornien und finanziert sich über ein “Freemium”-Modell. Interessant ist auch, dass Tim Berners-Lee dem “Advisory Board” von MeWe angehört.

Wenn man Google+ kennt, fühlt man sich auf MeWe schnell heimisch. Es gibt doch einige Ähnlichkeiten zwischen beiden Diensten. Analog zu den Google+ “Communities” gibt es auf MeWe Gruppen. Diese können aber auch noch Chats enthalten. Seit ein paar Tagen gibt es auch sogenannte “Pages”, die auch eine gewissen Ähnlichkeit mit Google+-Seiten haben.

Google+ ist gerade bei Fotografen sehr beliebt und auch da könnte MeWe eine gute Alternative sein. Neben der Veröffentlichung einzelner Fotos können auch Alben erstellt werden.

In den letzten Tagen sind einige neue Gruppen und Pages neu von “Google+-Flüchtlingen” erstellt worden. Einer der ersten war der GoogleWatchBlog, der alle Inhalte auch auf MeWe postet. Es gibt auch “Selbsthilfegruppen” für ehemalige Google+-Anwender.

Ich war von MeWe positiv überrascht und es ist aktuell mein Favorit für die Zeit nach Google+. Wer mag, kann mir gerne bei MeWe folgen. Mein Profil ist martinherbst.

Openbook (aktualisiert)

Openbook nimmt eine besondere Rolle in dieser Aufstellung ein. Dieses Social Network ist bisher noch nicht für alle geöffnet.

Openbook ist seit dem Frühjahr im Alphatest. Zugang bekommt derzeit nur wer das Projekt auf Indiegogo. Man kann sich auf der Homepage auch schon für einen Zugang zum Betatest anmelden.

Ich habe jetzt auch seit ein paar Tagen einen Zugang. Obwohl es derzeit nur auf Smartphone (und etwas eingeschränkt auch mit einer Anwendung für den Desktop) genutzt werden kann, macht es doch schon einen sehr guten Eindruck. An der Web-Anwendung wird fieberhaft gearbeitet.

Gerade wenn man Google+ gerne verwendet hat wird man sich hier gut zurechtfinden. Erste Features von Google+ wurden auch schon implementiert und weitere stehen bereits auf der Wunschliste. Interessanterweise gibt es auch sehr viele Nutzer aus Deutschland.

Im Moment kann man noch nicht beurteilen ob Openbook wirklich ein Erfolg werden wird, aber es gibt einige Gründe, die in meinen Augen für Openbook sprechen:

  • Openbook ist in Den Haag beheimatet und damit gelten die europäischen Datenschutzbestimmungen. Der Dienst wird aktuell auf Servern von Amazon gehostet. Allerdings ausschließlich Server, die in Frankfurt/Main stehen.
  • Openbook ist werbefrei und soll dies auch bleiben. Die Finanzierung soll u.a. über kostenpflichtige Zusatzfunktionen geschafft werden (ähnlich wie bei MeWe). Ebenfalls bereits möglich ist die Unterstützung durch Spenden via Patreon
  • Der gesamte Quellcode ist Open Source und auf Github verfügbar.
  • Phillip Zimmermann, der Entwickler von PGP, unterstützt Openbook. Entsprechend gut sind die eingesetzten Verschlüsselungstechniken.

Anfang April gab es auch einen wirklich guten Artikel auf golem.de.

Die Frage wird sein, ob Openbook wirklich genügend Nutzer anziehen kann und ob das mit der Finanzierung wie gewünscht klappt. Das Ende von Google+ und die Datenschutzprobleme bei Facebook könnten da durchaus hilfreich sein.